Das Barfen wird nicht umsonst auch als Roh(fleisch)fütterung bezeichnet. Denn Grundlage ist nun einmal rohes Muskelfleisch. Wirkliche Einschränkungen, welches Fleisch für den Hund geeignet ist, gibt es nicht. Salopp gesagt: Alles, was für den menschlichen Verzehr freigegeben ist, kann auch ein Hund fressen.
Wichtig: die Beschaffenheit des Fleisches. Hunde sind auf Fettsträhnen im Fleisch angewiesen. Aus diesem Grund sollte nie zu mageres Muskelfleisch den Grundstock der Barfration ausmachen. Bei zu niedrigem Fettgehalt sind Gewichtsverlust, schlechtes Fell und schuppige Haut sowie Verdauungsprobleme und Mangelernährung (in Verbindung mit der Aufnahme fettlöslicher Vitamine) mögliche Folgen.
Das Mitverfüttern von Adern und ähnlichem „Anhang“ stellt kein Problem dar, allerdings zählen entsprechende Teile nicht zur Muskelfleischration. Bei Sehnen kann sich das Abtrennen lohnen, diese eignen sich aufgrund ihrer Zähigkeit wunderbar als Kauartikel und sind getrocknet und verpackt im Laden nicht gerade günstig.
Was zählt zum Muskelfleisch?
Im Wesentlichen die handelsüblichen Filetstücke, Kopf-, Maul- und Backenfleisch, Herz, Zunge, Zwerchfell, Saum-, Stich- und Kronfleisch sowie andere Fleischabschnitte. Das Herz zählt, da es ein Muskel ist, ebenfalls zum Muskelfleisch, nicht zu den Innereien. Dabei handelt es sich in der Regel um mageres, dafür aber taurinhaltiges Fleisch. Hunde können Taurin selbst synthetisieren (anders als Katzen) und haben daher kein Bedarf einer Zufuhr von außen. Damit es hier also nicht zur Überversorgung kommt, sollten Sie Herz nur ein bis zwei Mal pro Woche füttern.
Welche Tiere darf mein Hund fressen?
Nachstehende Liste soll einen kleinen Einblick in die zahlreichen verfügbaren Fleischsorten geben. Besonders Exotisches ist hier nicht aufgeführt, doch auch hier gilt: Was der Mensch darf, darf auch der Hund.
- Geflügel: leicht verdauliches Fleisch, bei Durchfall oder zur Umstellung auf Barf gut geeignet. Pute, Ente, Huhn, Gans, Strauß und Fasan können Sie sowohl als ganze Tiere als auch in Einzelteilen füttern. Hälse, Rücken, Karkassen, Schenkel, Flügel und Unterkeule sind üblicher Weise erhältlich. Diese Teile zählen allerdings alle zu den fleischigen Knochen und Knorpeln, nicht zum Muskelfleisch. Filetstücke und Herz als reines Muskelfleisch können ebenso verfüttert werden. Auch (Straußen-)Sehnen eignen sich als Knabberein, zählen aber ebenfalls nicht zum Muskelfleisch, sondern fallen eher in den Bereich Leckerlis.
- Rind: Von Rind und Kalb kann das gesamte Muskelfleisch verfüttert werden. Andere Teile wie Euter, Lefzen, Luft- und Speiseröhre, Ohren, Hoden, Ziemer und Haut können als Knabberei ebenfalls im Napf landen. Schlund, Kehlkopf, Ochsenschwanz, Rinderbrustbein, Beinscheiben, Markknochen, Rinderbein, Rippen und Wirbelsäule sind ebenfalls für den Hund bekömmlich, zählen aber zu den fleischigen Knochen und Knorpeln. Das Fell kann zur Verdauungsförderung ebenfalls verfüttert werden (dies sollte aber nicht pur geschehen sondern in Form befellter Teile wie Ohren).
- Lamm, Ziege, Schaf: Es können dieselben Muskelfleisch- und Knochenteile verfüttert werden wie beim Rind.
- Pferd: Jedes Muskelfleisch und weichere Knochen wie auch beim Rind kommen in Frage.
- Kaninchen, Hase: Beide können als ganzes Beutetier verfüttert werden, außer den Gedärmen sind alle Stücke für den Hund genießbar.
- Reh, Hirsch: Von beiden sind alle Teile wie schon beim Rind aufgeführt für den Hund genießbar.
- Känguru, Wasserbüffel, Rentier: Inzwischen sind einige exotische Fleischsorten verfügbar. Von diesen Tieren kann zumeist jedes Muskelfleisch und alle von der Härte geeigneten Knochen verfüttert werden. Auch hier gilt: Was für den menschlichen Verzehr zugelassen ist, kann auch ein Hund fressen.
- Schwein: sollte gemieden werden, da es den Aujeszky-Virus (Pseudotollwut) enthalten kann.
Eine umfassendere Liste, was der Hund so alles fressen darf, gibt es hier: Was darf mein Hund fressen?
Was Hunde nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen fressen dürfen, weil es sonst giftig für sie wäre, können Sie hier nachlesen: Was darf mein Hund nicht fressen?
Wie muss das Fleisch zubereitet werden?
Die Zubereitung von Fleisch gestaltet sich denkbar einfach, denn es gibt nur vier Möglichkeiten: Bereits fertig zubereitetes Fleisch im Barfshop kaufen, das Fleisch in ganzen Brocken verfüttern, das Fleisch wolfen oder entsprechend der Größe des Hundes in Stücke schneiden. Je größer die Brocken desto besser für die Zahnreinigung, allerdings nimmt nicht jeder Hund Fleisch in jeder Größe an. Diese individuellen Vorlieben muss jeder Hundehalter selbst in Erfahrung bringen.
Das Wolfen des Fleisches kann sich besonders anbieten, wenn der Hund nur ungern sein Gemüse oder Obst zum Fleisch aufnimmt, denn so mischen sich die Komponenten besser.
Von der Fütterung reiner Fleischmahlzeiten ist abzuraten, da dies für Verdauungsprobleme wie Übersäuerung und Verstopfung sorgen kann. Die für die Verdauung wichtigen Ballaststoffe sollten über eine entsprechende Gemüse-/Obstbeilage oder grünen Pansen, Blättermagen zugeführt werden, um derartige Probleme zu vermeiden.
Nach dem Zerkleinern des Fleisches stellt sich noch die Frage der Aufbewahrung. Meist wird das Fleisch eingefroren, wobei fertige Päckchen vom Barfshop wie sie sind in die Gefriertruhe wandern können. Bei kleineren Hunden und größeren Bestellmengen bietet es sich an, das Fleisch einmal aufzutauen, zu portionieren und dann erneut einzufrieren. Wer sein Fleisch selbst zerkleinert, kann gleich die für sich passendste Portionsgröße zum einfrieren wählen.
Worin friere ich das Fleisch ein, wo taue ich es auf und wie?
Eigentlich gibt es nur eine Regel: Die Verpackung sollte gefriertauglich sein. Ob Sie Plastikbehälter oder -tüten verwenden, hängt nicht zuletzt von der einzufrierenden Menge und der Größe Ihrer Gefriertruhe/Ihres Gefrierfaches ab. Aus eigener Erfahrung rate ich zu wiederverwendbaren Plastikbehältern mit Deckel, die sich einfach stapeln lassen.
Was das Auftauen angeht ist das einfachste und schonendste für das Fleisch, es im Kühlschrank langsam auftauen zu lassen, besonders bei heißen Temperaturen im Sommer. Eventuell entstehendes Tauwasser sollte abgegossen werden. Besonders bei Geflügel sollen sich hierin die meisten Krankheitserreger befinden.
Alternativ lässt sich Fleisch aber auch bei Zimmertemperatur oder im Wasserbad auftauen.
Kann ich ganze Tiere verfüttern?
Prinzipiell: Ja. Ein ganzes Rind zu verfüttern dürfte eher schwierig sein, aber ein ganzes Huhn, Kaninchen oder etwas mit vergleichbarer Größe kann dem Hund durchaus angeboten werden. Die Prey-Methode zum Beispiel basiert auf der ausschließlichen Fütterung nicht ausgenommener oder gereinigter Beutetiere. Beim Barfen nehmen ganze Beutetiere aber eher einen sekundären Stellenwert ein. Sie können den Speiseplan hin und wieder abwechslungsreich gestalten, sind aber nicht als ausschließliche Fleischkomponente gedacht. Beim Berechnen Ihrer Ration sollten Sie dann außerdem bedenken, was das ganze Futtertier alles enthält. Je nach Verarbeitungszustand kann es sich um ein ausgenommenes Hühnchen handeln, was ein einziger, fleischiger Knochen ist, aber auch um ein ganzes Huhn mit der Innereienration für eine Woche (je nach Größe des Hundes versteht sich).
Noch befellte Tiere kommen nicht bei jedem Hund gut an und werden auch nicht von jedem gut vertragen. Aus diesem Grund sollten Sie das Verfüttern von Tieren mit Fell oder Federn zunächst in kleiner Menge – zum Beispiel mit einem befellten Rinderohr – testen. Theoretisch ist die Aufnahme von Fell und Federn als unverdauliches Material zwar fördernd für die Verdauung des Hundes, allerdings kann es für Erbrechen sorgen, da es ähnlich wie Gras eine darmreinigende Funktion erfüllt.
Der Beitrag Fleischfütterung erschien zuerst auf Vitaler Hund.